Ausflug Wienerwald: Die Kapuzinergruft der Babenberger - Stift Heiligenkreuz in Niederösterreich

Aktualisiert: Jan 3

Die Habsburger haben ihre Kapuzinegruft - aber die Babenberger? Wo fanden diese bedeutenden Österreicher ihre letze Ruhe? Wo liegt der berühmte Leopold V. begraben, der König Richard Löwenherz gefangen hielt? Wisst ihr nicht? Wussten wir auch nicht - aber jetzt schon: in Stift Heiligenkreuz! Aber es gibt noch viel mehr Gründe dieses beeindruckende Kloster zu besuchen!

Der Eingang in den Klosterbereich - was für eine schöne Lage hier im Wienerwald

Vorbei am Klostergasthof gelangen wir zur Pforte, wo der Eintritt bezahlt wird und derzeit - seit Corona gibt es keine Führungen - die Audioguides ausgefolgt werden. Von hier geht es über den Klosterhof zum Eingang in die Abteikirche.

Eine großzügige Anlage, die den einzelnen Kunstwerken Raum zum Wirken gibt.

Ein Mönch öffnet das eiserne Tor und wir betreten das Langhaus. Hier sind wir im ältesten Teil der Kirche - die Schlichtheit der Romanik ist für mich immer wieder etwas sehr Beeindruckendes. Man spürt die Erhabenheit des Ortes und die Nähe zu Gott. Hier im ersten Bereich ist es ein auf die wichtigsten Elemente reduziertes Gotteshaus, das nicht mit übervollen, farbenfrohen Fresken und Statuen von der ursprünglichen Architektur ablenkt und so diese ganz besondere Stimmung ausstrahlen kann.

Was für eine Architektur - die Erhabenheit der Höhe, beeindruckend.

Am Übergang zum zweiten Kirchenabschnitt ist es das Chorgestühl, das unseren Blick fesselt. Es betont den lang gestreckten Raum, gibt ihm eine zusätzliche Tiefe. Besonders schön finden wir die Vorstellung, dass hier noch "echtes" Klosterleben passiert. Dass sich hier die Mönche zum Chorgebet versammeln, den Raum mit Leben füllen. So beeindruckend ein historisches Gebäude, gleich ob sakral oder profan, an sich schon ist, umso faszinierender ist es, wenn es auch in der heutigen modernen Zeit Verwendung findet, im täglichen Alltag eine große Rolle spielt.

Das Chorgestühl - hier zahlt es sich aus, die Details in Ruhe zu betrachten.

Dahinter schließt sich die gotische Chorhalle an, in deren Zentrum unter einem neogotischen Baldachin ein bemaltes Kreuz mit dem auferstandenen Christus hängt. Die üppig barocke Umgestaltung wurde am Ende des 19. Jahrhunderts entfernt. Aus meiner Sicht eine glückliche Handlung - hier ist alles so stimmig, still und schlicht. Jedes Gestaltungselement hat genug Raum für seine Wirkung und der Betrachter zentriert seinen Blick auf das Wesentliche. Jede Kunst-Epoche hat ihre Liebhaber - und ihr merkt es schon an meinen Worten: ich verehre Romanik und Gotik, hier finde ich mich selbst wieder, kann Kraft gewinnen und in mich gehen. Nichts desto trotz besichtige ich aber jede Barock-Kirche mit der selben Begeisterung, auch wenn - wie man so schön sagt - diese opulente Gestaltung nicht das Meine ist.

Erst durch die Schlichtheit des Raumes wirkt das Kreuz in Zentrum noch kräftiger

Für uns geht es nun über Stufen hinab in den Kreuzgang. Hier ist es die Schlichtheit der Farben, allesamt gebrochene Farben, sanft und vom Ton knapp neben Grau und zartem Blau stehend, die uns beeindrucken. Hier treffen sich die Mönche abends zu einer Lesung. Ein Vorleser sitzt dann auf der Kanzel und liest einen Abschnitt aus der Regel des Heiligen Benedikt.

Der Raum der Lesungen - im sanften Licht der entsättigten Glasfenster.

Um die Ecke befindet sich der Kapitelsaal - ein wichtiger historischer Ort! Hier befinden sich die Grabmäler der Babenberger, unserer großen Herzöge und Marktgrafen. Einer davon - wohl der berühmteste - ist Leopold V., das ist jener Regent, der König Richard Löwenherz gefangen nahm. Ihr kennt doch sicher die berühmte Geschichte vom Sänger Blondel und Dürnstein in der Wachau, oder? Leopold V. schenkte dem Kloster eine Kreuzreliquie, ein handgroßes Stück des heiligen Kreuzes.

Mit Leopold ruhen noch zahlreiche weitere Babenberger samt ihren Gattinnen im Kapitelsaal, zumeist unter einfachen Grabsteinen. Mit einer Ausnahme: in der Mitte des Raumes befindet sich das Hochgrab von Friedrich II., dem Streitbaren. Heute findet in diesem Saal die feierliche Aufnahme von Männern statt, die dem Orden betreten. Dieser Akt wird Einkleidung genannt.

Der Kapitelsaal - wieder eine gänzlich andere Lichtstimmung und Gestaltung

Gleich daneben ist Totenkapelle - tanzende Skelette als Kerzenhalter und eine typische Gestaltung für die Barock-Zeit machen diesen Raum besonders. Stirbt ein Mönch, so wird er hier aufgebahrt und die Mitbrüder können hier Abschied nehmen.

Sanfte Farben im Kreuzgang - und in der Mitte frisches Grün des Gartens
Die mittelalterliche Fraterie - der Arbeitsraum der Fratres (Brüder)

Wir aber folgen dem Kreuzgang vorbei an Grabplatten an den Wänden und im sanften Licht der monochromen Glasfenster auf die anderen Seite zum Brunnenhaus. Hier strahlen bunte Glasfenster mit der Geschichte der Babenberger als Thema von den Wänden und lassen Licht auf den imposanten Brunnen in der Mitte fallen. Früher war er die einzige Wasserstelle des Klosters, genau genommen ein recht profaner Raum, wo Wasser geholt wurde und eine Art Waschküche war. Dass er dennoch so beeindruckend ausgestattet ist, hat einen Grund: auch bei weltlichen Tätigkeiten sollten die Mönche daran erinnert werden, dass sie Gott immer und überall dienen.

Das Brunnenhaus mit seinen bunten Glasfenstern erzählt von den Babehnbergern
Nach der Farblosigkeit der Glasfenster im Kreuzgang ein beeindruckender Kontrast.

Inmitten des Kreuzganges ist ein liebevoll gepflegter und üppig blühender Garten - ein kleiner Garten Eden. Er soll den Menschen an den Garten Eden erinnern, deshalb wird er auch Paradiesgarten genannt. Im Kreuzgang stehen hunderte rote Säulen - sie symbolisieren die Bäume des Paradieses. In den Kapitellen enden sie als Knospen und Ranken. Die Schlusssteine der mächtigen Gewölbe stellen die Blütenfülle des Paradieses dar.


Ja, hier in Stift Heiligenkreuz gibt es viel zu entdecken - eines ist wichtig, nehmt euch Zeit dafür und genießt die unterschiedlichen Stimmungen und Gestaltungen in den einzelnen Bereichen. Lauscht dem Audioguide und verweilt dort, wo ihr euch wohl fühlt und zur Ruhe kommt. Stift Heiligenkreuz ist ein Ort, an dem man Kraft tanken und zu sich finden kann - auch wenn man nur wenige Stunden hier verbringt!


Adresse:

Stift Heiligenkreuz

Markgraf-Leopold-Platz 1,

A-2532 Heiligenkreuz im Wienerwald

Link: Stift Heiligenkreuz


Öffnungszeiten/ Führungen:


Täglich geöffnet.

Wegen den Coronabeschränkungen gelten ab 29.05.2020 bis auf Weiteres:

Besichtigung durch eigenständige Begehung des Gastes mit kostenlosem Audioguide!

09:00 bis 10:30 (letzter Einlass 10:30) 14:00 bis 16:30 (letzter Einlass 16:30 Hinweis: retour 17:15) Sonntag und Feiertag Vormittags keine Führung


Preis 2020:

Erwachsene: 10 €

Kinder, Schüler, Studenten: 6 €

Senioren: 9 €

Familienkarte (2 Erwachsene und Kinder): 19,50 €

NEU! Kombiticket für Heiligenkreuz und Mayerling: 15,70 €


Tipp: NÖ Card

Unbedingt im Klostergasthof einkehren - die Cremeschnitte ist legendär! Sehr schöner Gastgarten mit alten Bäumen.

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Die Reisereporter
Sonja & Gerald Lechner
Ließfeldstraße 20, 3100 St. Pölten
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